Meine erste Transalp



Freitag 02.07.2010

Heute ganz gemütlich nach dem Frühstücken nach Stuttgart gefahren. Schon auf der Autobahn beim ersten Tor der Brasilianer entsetztes Bremsen aller gelben Nummernschilder. Noch mal so an der Katastrophe vorbeigeschrammt ;-). Nach Eigentor und Führung ist dann auch die Käsewelt wieder in Ordnung. Gouda 2, Caipirinha 1. Kein Zucker mehr am Hut. Ein Himmel voller Meisjes?. Letzte Reste dann noch im Auto vor Saschas Wohnung im Radio gehört. Danach dann nette Gespräche –Eigentumswohnung/Job/Hawai- und Abendmahl in urigem Schwabenrestaurant. Das Spiel Nr.2 an diesem Abend haben wir dann open air in der Stuttgarter City geschaut. Mono hieß der Laden, Stereo das Bier. Schwer musikalisch diese Schwaben. Zum Abschluß noch Simone getroffen und ein wenig gequatscht. Insgesamt ein netter , relaxter Tag.

Samstag 03.07.2010

Heute geht’s nach Bayern. Nach ausgiebigem Frühstück verabschiede ich mich von Simone und Sascha. Die beiden brechen später nach Augsburg auf, Puppenkiste schauen. Naja die erwachsene Variante, so sagen sie ;-)). Abgesehen von dem ein und anderen zähflüssigen Verkehr rund um München komme ich gut durch. Bei bestem Wetter -37°- fahre ich erstmals, noch motorisiert auf die Berge zu. Nach Checkin ins Schandl dann erstmal an den See gelaufen. Hab bei dem Dorfgelatomaestro ein nettes Plätzchen zum Public Viewing ergattert. Das 4:0 hebt schon die Stimmung. Muss ein gutes Omen für mein kommendes Unterfangen sein. Treffe im Schandl dann noch die Bitou Crew. Daniela, die MTB Rennen rasende Führerin und Wolfgang, ein Freiburger Original mit Laufspleen wie sich später herausstellt. Nach Abendvesper –Schwabenpfanne in Bayern!!!!- und recht angestrengtem erstem Kennenlerngequatsche dann aufs Zimmer Fußball schauen und den Rucksack für die erste Tour packen. Bin voller Vorfreude.

Sonntag 04.07.2010

Da ist er also vorüber, mein erster Transalptag. Und alles war machbar, teilweise ein wenig zu einfach. Technisch ist es absolut nicht geworden, die Route führte über gut ausgebaute Forstwege, manchmal auch auf Straßen nach Österreich ins Zillertal. Gegen Mittag war die Erzherzog Johann Hütte unsere Vesperlocation, danach sind wir über die Monialm am Inntalradweg straight nach Zillertal. Heute habe ich leider noch nicht die magische Grenze der vierstelligen Höhenmeterzahl geknackt. Mit 984 war die Etappe knapp drunter. Spaß hat sie aber in jedem Fall gemacht. Wir sind 7 Typen inklusive mir, eine Guidin -Daniela- und den Fahrer des Besenwagens, Wolfgang. Eine lustige Gruppe. 2 Biker aus den neuen Ländern –den Alpen der neuen Länder um genau zu sein / Erzgebirge- beide auch noch Lehrer. Mario und Ronald. Ein Münchener Trio mit Tom, Thomas, Ralf und der obligatorische ältere Herr –diesmal Karl aus Freiburg- darf halt bei einer Bitoutour auch nicht fehlen. Gleich gibt’s Abendessen. Zillertaler Wurstfleisch, bin ja mal gespannt. Morgen steht die Königsetappe über 1800 Höhenmeter an. Dann geht’s richtig los, hoffentlich auch mit einigen Trails.


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Ein Aachener unter Bayern


Montag 05.07.2010

Schon in der Nacht bin ich von Dauerregen geweckt worden. Am Morgen sind die Berge dann nebelverhangen und es tröpfelt nach wie vor. Kurz vor unserer Abfahrt gibt der Regengott dann nochmal alles. Also Regenzeug raus und los geht’s. Die Regenfahrt dauert zum Glück nur kurz. Nach 20 km entlang der Ziller hellt sich der Himmel auf und wir steigen aus den Regenklamotten. Der erste Teil des Aufstiegs ist eine alte Asphaltstraße mit permanenter Steigung von ca.10% und ist nach einrollen gut zufahren. Erste Einkehr mit Blick auf den Schlegeisspeicher. Der Speicher ist ein riesiger Stausee mit einer Stauwand von 150 Metern Mächtigkeit. Lange Asphaltserpentinen mit bis zu 18% geht’s dann hinauf bis auf die Staumauer. Gewaltiges Panorama. Jetzt ist der Aufstieg zum Pfitscher Joch, dem höchsten Punkt der Tour, dran. Über Singletrail mit Schiebe- und Tragepassagen bis zur Hütte auf dem Gipfel. Ich merke hier erstmalig meine persönliche Krux dieser Tour. Der Bergauftrail ist nicht so schwierig, aber kostet eine Unmenge an Kraft und Konzentration. Nach dem bisherigen Aufstieg wären das meine letzten Körner, und das ohne zu wissen wie die Route weiter geht. Schweren Herzens entscheide ich mich auf einem Großteil des Trails gegen das Fahren. 300 Höhenmeter Tragepassage zum Schluß und ich bin fertig. Nach Einkehr dann 800 Höhenmeter abwärts ins Pfitscher Tal. Erst schottrig dann später toller Singletrail. Nach 80 Kilometer erreiche ich völlig fertig unser Hotel in Sterzing . Abends gegessen und im Örtchen, im Übrigen echt nett alt und idyllisch –im Gegensatz zum Hotel-, ein erstes italienisches Eis geschleckt. Was ein Tag!!




Der Schlegeisspeicher




Uphilltrail zum Pfitscher Joch




Oben!


Dienstag 06.07.2010

Nachdem ein echt mäßiges Frühstück in dem merkwürdigen Hotel vertilgt wurde ging es dann heute in die Dolomiten. Über Radautobahn dann erstmal nach Brixen. Dort ein 2.Frühstück eingelegt und ab in den Anstieg. Meine Singletrailfantasien bleiben nach wie vor Fantasien, aber das wird schon noch. Im Laufe des Tages gab es 2 echt happige Anstiege a 600 hm. Zum Glück im Wald, also immer schön im Schatten aber trotzdem heftige Serpentinenwaldwege. Der erste Anstieg hat gar kein Ende nehmen wollen. Von einer Spitzkehre in die Nächste und das bei 18/19% Steigung. Nun nach 1300 hm in einem echt urigen Hotel in Lajen mit Blick auf die Dolomiten angekommen. Gleich spielt Holland.




Blick vom Hotel




On the road


Mittwoch 07.07.2010

Die Käsköppe haben dann doch gewonnen. Naja, jetzt verlieren sie halt das nächste Spiel. Und wie es so kommt, kommt alles noch schlimmer. Meine Schaltung hat schon von Anfang an Zicken gemacht. Nach Auswechselung des Schaltauges ist auch noch keine Besserung in Sicht. Jetzt gilt es die Zähne zusammen zu beißen und ohne den kleinen Gang die Berge bis zum nächsten Fahrradladen zu bezwingen. Die ersten beiden Anstiege machen mich schon völlig fertig. Die Oberschenkel brennen, aber was soll’s, ich will ja weiter. In urigem Fahrradladen im nächstgelegenen Italokaff dann eine Generalinspektion des Radls vornehmen lassen. Eine Speiche war gebrochen, die Hinterradachse hat Spiel und die Schaltung ist verbogen. Kann denn noch mehr schief gehen? Dann nach 1,5 h Verspätung der Ansturm auf die Seiser Alm. 800 hm kriechen wir auf Waldwegen hoch um dann auf einem der genialsten Hochplateaus Europas mitten in den Dolomiten zu stehen. Traumhaft. Nach Brotzeit geht’s an den Abstieg, erst auf normalen Straßenserpentinen –ich nörgel schon “so viele Höhenmeter habe ich noch nie so unspektakulär vernichtet“- aber dann geht’s in einen genialen Singletrail von diversen Kilometern bis an den Völzer Weiher. Ich bin total baff, hatte für viele heftige Anstiege auf dem Trail aber keine Körner mehr. Das ein oder andere Auge hat da schon getränt. War trotzdem Weltklasse. Und dann mittendrin der Sprung in den Naturbadesee. Yeeha! Danach auf dem Fernradwanderweg über Bozen nach Ore geflogen. Der Schnitt lag schon bei über 28 km/h. Der Bitouroadtrain war unaufhaltsam. Jetzt bin ich im Hotel warte auf’s Essen und auf’s Spiel. Kuriere gerade auch meine erste Blessur aus. Bin mit der Schulter an einem Baum auf dem Trail hängengeblieben, ist aber halb so schlimm. So, jetzt essen.




Auf dem größtem Hochplateau Europas


Donnerstag 08.07.2010

Heute ist der letzte Biketag der Tour. Von Ore (Auer) geht es nun tatsächlich an den Gardasee nach Torbole. Die Abfahrt wird dank des idealen Wetters auf 9:oo Uhr vorverlegt. Es stehen nicht mehr so viele Höhenmeter an, die Steigungen haben es dennoch in sich. Vor allem die Passage nach 30 km langem Einrollen hinauf zum xx. Ich fahre mal wieder kurz unter meiner momentanen Leistungsgrenze. Pünktlich zum Aufstiegsbergfest setzt mein gutes Garmin aus. Low on battery. Scheiß Ami’s, in der Schlußphase geht’s steil bergab. Und wieder zolle ich den Anstrengungen auf einem Trail Tribut. Den letzten Trail der Tour nehme ich wieder als Dangerseeker in Angriff. Noch bevor er richtig anfängt schiebt’s mich auf der Grobschotteranfahrt aus der Balance. Krache mit der linken Körperseite auf den Schotter, außer ein paar Schürfwunden an Unterschenkel und Unterarm ist aber fast nix passiert. Die Beule am Unterarm, wahrscheinlich eine subkutane Blutung, wird sofort mit Arnika behandelt. Sichtbar wird die Schwellung beinahe sofort bekämpft. Noch total unter Adrenalin hechte ich den Trail nun runter. Der Sturz war Blöd- diese Fahrt Leichtsinn. Weiche öfter im allerletzten Moment plötzlich auftauchenden großen Steinbrocken aus. Denke, das unsere Führerin das hätte verhindern müssen. Naja, ist halt ihrer mangelnden Erfahrung zuzuschreiben. Den Amis machen wir’s nun auch noch nach. Die Abfahrt ist ohne Schwierigkeiten –kommt mir nach meinem Sturz ganz gelegen- aber furchtbar steil. Eine alte Militärstraße stürzt sich (max. 25%!!!) mal mit leicht schottrigem Untergrund, dann auch wieder mit in den Beton eingelassenen großen Steinen und immer wieder mit großen Schlaglöchern in die Tiefe. Das macht schon Spaß und eine gute Bremstechnik ist durchaus von Vorteil. Unten angekommen erwartet uns noch ein kurzer Asphaltanstieg durch ein Geröllfeld dann führt uns die Fahrradautobahn straight an den Gardasee. Wow, das war’s. Und ich hab’s durchgehalten. 8000 hm und 400 km überstanden. Yes I can!




Vor der Megaabfahrt




Der „alte“ Mann und sein Drahtesel


Der mit Abstand härteste Teil der Tour steht mir dann noch völlig überraschend bevor. Unser Hotel in Torbole ist eines der unangenehmsten die ich je erlebt habe. Zwar mit 4 Sternen ausgestattet und Chipkarten als Zugang zu den Holzgetäfelten echt großzügigen Zimmern, aber super aufgesetzt freundlich, so das es schon weh tut. Der Knaller ist jedoch die musikalische Untermalung unseres Abendessens. In der industriellen Touribuffetabfertigungshalle –die Touris sind im übrigen wunderbar nach Nationalität getrennt- gibt ein schon halb besoffener italienischer Alleinunterhalter an seiner Hammondorgel internationale Evergreens zum Besten(!!??). Und das in einer Lautstärke die Ignorieren unmöglich macht. Als dann der Oberkellner noch noncharlant einen Euro der eh völlig überteuerten Weizen (4,50€) an Trinkgeld ungefragt einbehält platzt mir der Kragen. Ich muss hier raus!! Den Restabend dann doch noch mit nettem Promenadenbummel und diversen Gelati zu meiner Besänftigung beendet.

Freitag 09.07.2010

Habe heute das erste Mal so richtig gut geschlafen. Ob das an der guten Schmerzmitteldosis lag ? :-) Sei’s drum, das Frühstücksbuffet geht auch, ist sogar sehr reichhaltig –weil um 7:3o Uhr noch nicht abgegrast !! Der Capuccino hat zwar noch kein italienisches Niveau, man kann ihn aber trinken. Nun geht es wieder Retour an den Tegernsee. Nicht wie eigentlich angedacht mit der Bahn, sondern mit dem kurzerhand noch organisierten klimatisierten Kleinbus. Die Zugfahrt fiel dem Streik der italienischen Eisenbahner zum Opfer. Wolfgang hat dann für 53€ pro Person den Bus nach D klargemacht. Das Organisieren hat er echt drauf. Respekt. Wir fahren nun beinahe die komplette Strecke in umgekehrter Richtung und motorisiert wieder ab. Die ein oder andere Sehenswürdigkeit kommt merkwürdig vertraut vor. Die Kirche hier gehört doch eindeutig zu Brixen. Nach der Europabrücke und dem Brenner ist es geschafft. 3 Stunden –mit dem Rad haben wir immerhin 5 Tage gebraucht – und der Spuk ist vorbei. Am altbekannten Bahnhof in Tegernsee werden die Räder in die Privat Pkw’s verladen. Den Rest des Tages nach erneutem Einchecken im Schandl dann am und im Tegernsee verbracht. Im Schandl werde ich in der Schwiegermutterkammer einquartiert. Die Zimmerzusage erfolgte wohl verfrüht. Ist aber alles andere als ein Problem. Nette Wirte mit unkomplizierten Lösungen. Super. Muss gleich noch Antje anrufen. Auf dem Rückweg geht’s dann über Frankfurt.